Hartmut Dorgerloh auf CDU-Gespraechsabend: Stadt muss Allee nach Sanssouci sanieren | Potsdamer Neueste Nachrichten vom 25.02.2011
Innenstadt - Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, hat eine Wunschliste für Potsdam. Ganz oben steht der marode Straßenzustand der Allee nach Sanssouci, nicht nur, weil das die Zuwegung zu seinem Generaldirektoren-Büro ist, sondern auch der Parkeingang für Tausende Touristen. Auch andere Eingangsbereiche zum Park Sanssouci, die in der Verantwortung der Stadt liegen, schreien nach Aufwertung. Dorgerloh mahnte das Mittwochabend auf einer Diskussion beim CDU-Kreisverband im Restaurant Le Manége am Neuen Markt an.
Nach seinem Vortrag gab es jedoch auch kritische Anmerkungen zu Defiziten auf der Stiftungs-Seite. So sei der Bereich der leerstehenden Meierei am Kuhtor beklagenswert. Besucher des Parks Sanssouci vermissen gerade hier einen Punkt zum Ausruhen, etwa ein Café. Dorgerloh antwortete, dass es keinen Betreiber gebe und dass die Stiftung mit der Sanierung von insgesamt 200 „Wohnhäusern“, deren Verkauf nicht möglich sei, erhebliche Schwierigkeiten habe. Er erwäge daher, über eine „öffentlich-private Partnerschaft“ die Instandsetzung zu finanzieren.
CDU-Kreischefin Katherina Reiche führte den Vortrag von Dorgerloh mit einer Kurzbiografie des Sanssouci-Generals ein: 1962 als Pfarrerssohn in Berlin geboren, aufgewachsen in Potsdam, Reifeprüfung an der Helmholtz-Oberschule 1980, nach NVA-Wehrdienst Studium der Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität. Und weiter: Konservator am Institut für Denkmalpflege der DDR, nach der Wende Referatsleiter für Denkmalschutz, Promotion 1997, von 1999 bis 2002 Gründungsbeauftragter für das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam und seit 1. August 2002 Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.
„Mein Potsdam“, lautete das Motto der CDU-Veranstaltung und Dorgerloh sagte: „Ich habe zwei Potsdams“. Das Potsdam der Kindheit und Jugend gebe es nicht mehr. Die Abhängigkeit zu Berlin und die Länderfusion der Schlösser und Gärten geben 20 Jahre nach dem Mauerfall ein völlig anderes Bild: eine ungeteilte Kulturlandschaft.
„Als ich 1968 zum ersten Mal mit der Straßenbahn durchs Nauener Tor fuhr, fühlte ich mich zu Hause.“ Dorgerloh erzählte vom Kinder- und Jugendklub Sanssouci und vom Besuch der Restaurierungswerkstatt, von seinem Einsatz als Aufsichtskraft und Parkführer sowie vom kindlichen Herumtoben in den Ruinen des Pfingstbergs. Er haderte nicht, wie ein Diskussionsredner, mit der DDR-Vergangenheit, sondern sprach über die aktuellen Aufgaben. Und die liegen nach dem Luisenjahr 2010 bei der Vorbereitung des 300. Geburtstags Friedrichs II. im nächsten Jahr.
Für dieses „Friederisiko“, wie der von Marketingexperten erfundene Slogan für das Jubeljahr lautet, will die Stiftung die Zahl von zuletzt gut 200 000 Besuchern im Neuen Palais verdoppeln. Auf 6 000 Quadratmetern seien in 70 Räumen teilweise noch nie gesehene Kostbarkeiten zu sehen. Es gehe unter anderem darum, das Leben und den Mythos um Friedrich den Großen differenziert darzustellen.
Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg stellten 155 Millionen Euro zur Verfügung, um das Neue Palais weiter zu sanieren, ein neues Besucherzentrum samt „qualifiziertem Biergarten“ zu schaffen und das im Obergeschoss des Palais’ befindliche Depot in einen Neubau auszulagern. Die Umsetzung der Vorhaben im Rahmen eines Masterplans reichen weit über das Jubiläumsjahr hinaus.
Die Stadt Potsdam stehe nicht allein im Fokus der Schlösserstiftung, betonte Dorgerloh und sagte: „Die Nacktbader im Neuen Garten sind mir egal, aber nicht den ausländischen Besuchen.“ Die Stiftung müsse die Bandbreite zwischen China und Babelsberg abdecken. Das Welterbe sei für die Potsdamer Bevölkerung nicht nur ein Privileg, sondern bringe auch Einschränkungen mit sich. (Von Günter Schenke)
Katherina Reiche und Prof. Hartmut Dorgerloh