Bornstedter Kirche marode / 280 000 Euro für Instandsetzung nötig
POTSDAM / BORNSTEDT - Die Pläne stehen, und die Kosten von 280 000 Euro sind berechnet. Säulengang, Trauerhalle und Mauern der Bornstedter Kirche müssten so schnell wie möglich instand gesetzt werden. Das sagte gestern Friedhofsleiterin Jutta Erb-Rogg. Sie machte anschaulich, warum die Zeit drängt: Sie nimmt einen Stein einfach mit der Hand aus der Mauer des Säulengangs. Da zeigt sich, wie sich die zu DDR-Zeiten nachträglich verlegten Betonplatten übereinander schieben. Ein starker Riss und ein klaffender Spalt sind in einer der Hauptsäulen erkennbar.
Da staunte auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche, die sich ein Bild von der bedrohlichen Situation machen wollte. „Auch mein Herzblut hängt an der Kirche. Meine Kinder gehen hier zu verschiedenen Kursen, und zu Weihnachten sind wir immer hier“, sagte sie. Dass sich Fenster und Türen lösen, sei dem unterirdischen Lehm-Geschiebe zuzuschreiben. Das Mauerwerk der Kirche bewegt sich dadurch, erklärte Erb-Rogg.
Dass die Trauerhalle für nicht kirchlich Verbundene in noch schlechterem Zustand ist, damit hat wohl auch Reiche nicht gerechnet. Fast rutscht sie auf dem Hallenboden aus, der sich stark senkt. Der kleine angebaute Aufenthaltsraum für Gärtner und andere Kirchenmitarbeiter sinkt ab und zieht die Halle mit runter. Risse, Absenkung von Decke und Boden sowie verzogene, schiefe Türen sind die Folge. Hält man die Hand vor den tiefen Riss im Beton, strömt die warme Luft vom Innenraum nach draußen. „Alle paar Monate gibt es einen Knall, denn das Gebäude bewegt sich ruckartig“, sagte Erb-Rogg. Vor drei Jahren wurde mit Spendengeldern, unter anderem von Gerhard Joop, dem Vater des Modedesigners Wolfgang, eine kosmetische Reparatur vorgenommen. Von neuem Fußboden und frischem Anstrich sieht man heute nur noch wenig.
Die Lösung heißt: Anbau abreißen und Halle sanieren. In den neuen, größeren Anbau soll dann die lang ersehnte Toilette für Trauergäste und Friedhofsbesucher. Erb-Rogg übergab das Konzept Reiche, die sich für Fördermittel einsetzen will. Schließlich gehöre der Friedhof zum Weltkulturerbe, so Reiche.