Dass Strom aus der Steckdose kommt, ist längst zu einem geflügelten Wort geworden für energiepolitische Naivität und Sorglosigkeit. Wie der Strom auch in Zukunft in die Steckdose hineinkommt, ist eine – wenn nicht gar – die entscheidende Frage für das weitere Zusammenleben auf diesem Planeten, schreibt die Potsdamer CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche in einem Buch, das heute in Berlin vorgestellt wird. Klimawandel, ausgelöst durch „schmutzige“ Energiegewinnung, kann gewaltige Migrationsströme freisetzen, Wohlstand und wirtschaftliche Prosperität der westlichen Welt hängen ebenso von der Verfügbarkeit weiterer Energie-Ressourcen ab, wie die Wohlstandserlangung ärmerer Regionen.
Als Herausgeberin hat die Vizechefin der Unionsfraktion im Bundestag deshalb eine Reihe namhafter Autoren in dem Band versammelt, die vor allem eine breite gesellschaftliche Energie-Debatte anstoßen sollen. Denn eines steht für Reiche ebenso fest: Ohne einen „gesellschaftlichen Grundkonsens“ wird es kein tragfähiges für Klima- und Energiepolitik geben. Sie selbst ist mit einem Plädoyer für einen „intelligenten Energiemix“ vertreten, der die Brücke schlagen soll für den Übergang zu mehr regenerativen Energien. Für einen begrenzten Zeitraum hält Reiche dabei die Kernenergie noch für unverzichtbar, setzt aber ebenso auf innovative Techniken wie etwa CO2-Abspaltung und -Einlagerung.
Das Buch ist keine unterhaltsame Feierabend-Lektüre, sondern ein Crash-Kurs in Energiepolitik, der die ganze Bandbreite der Standpunkte darstellt und auslotet. Dabei kommen Vertreter großer Energieversorger (RWE, Eon, Vattenfall, BP) wie Autoren der wichtigsten Interessenverbände (Atomforum, Verbraucherzentrale, Bundesverband Erneuerbare Energien, Naturschutzbund, BUND etc.). Der spannendste Teil mit Beiträgen aus Lehre und Forschung befindet sich in der Mitte. Experten von Öko-Institut, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung oder etwa dem Frauenhofer-Institut für Solare Energiesysteme tragen spannende Einblicke bei.
Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin erklärt die wichtige Rolle eines funktionierenden Wettbewerbs auf dem Energiemarkt und plädiert angesichts der ressortübergreifenden Bedeutung des Themenfeldes für ein eigenständiges Energieministerium innerhalb der Bundesregierung. Dass das Buch auch etwas mit den Ambitionen der Herausgeberin und ihrer weiteren politischen Laufbahn zu tun haben könnte, ist vermutlich ebenfalls nicht ganz von der Hand zu weisen.
Katherina Reiche (Hg.): Energiegeladen. Koordinaten einer zukunftsfähigen Klima- und Energiepolitik. CH.Goetz Verlag, Potsdam 2009. 216 Seiten, 22,90 Euro (Von Ralf Schuler)