Nachdem die Landesregierung mehrere Straßenbauvorhaben in Werder verschoben hat, sucht die Blütenstadt jetzt Unterstützung beim Bund. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), war gestern vor Ort, um sich ein Bild unter anderem vom Bahnübergang an der Phöbener Straße zu machen und sich die Argumente der Stadt für den geplanten Tunnel anzuhören. Der sollte eigentlich 2012 gebaut werden, ist aber nach Etatkürzungen der rot-roten Landesregierung in weite Ferne gerückt. Der Bundespolitiker sicherte seine Unterstützung zu: „Wenn eine Vermittlung notwendig ist, stehe ich Gewehr bei Fuß.“
Über die Bahn könne man eventuell auf einen zeitigen Baubeginn drängen, so Ferlemann weiter, denn dort seien offenbar alle Fragen geklärt. Die Deutsche Bahn AG beteiligt sich nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz an den Baukosten von 12 bis 15 Millionen Euro, einen weiteren Teil muss das Land tragen. Dessen plötzlicher Rückzug aus dem Projekt hatte im Juli in Werder für Ärger gesorgt (PNN berichteten). „Die Schranken sind hier neun Stunden am Tag geschlossen und in den nächsten fünf Jahren werden hier 11 000 Autos täglich durchfahren“, verdeutlichte Bürgermeister Werner Große (CDU) auch gestern noch einmal den Bedarf nach einer Unterführung. Wie berichtet, sollte die laut einer Vorzugsvariante östlich des jetzigen Übergangs gebaut werden und die L 90 damit einen Schwenk hin zur Elsastraße machen. Das hatte zumindest seitens der Anwohner für Kritik gesorgt. Ein Planfestestellungsverfahren steht aber noch aus. Laut Große müsse jetzt ein deutliches Zeichen von der Bahn kommen, dass es weitergehen soll.
Ebenfalls verschoben hat das Land den eigentlich schon für dieses Jahr geplanten Ausbau der Alten Dorfstraße in Plötzin. Ortsvorsteher Siegfried Frömling (CDU) gerate gegenüber den Bürgern in immer größere Erklärungsnot, wie er beim Vor-Ort-Termin betonte. „Ich würde mir wünschen, dass es endlich losgeht“, sagte er, zumal am Ortseingang aus Richtung Werder bereits eine neue Verkehrsinsel gebaut wird. Für die Bürger ein Signal, dass jetzt auch die Ortsdurchfahrt in Angriff genommen wird – allerdings ein trügerisches. „Die Insel hat offenbar mit dem neuen Radweg zu tun, nicht mit der Straße“, erläuterte Bürgermeister Große.
Die innerörtliche L 861 sei die letzte unsanierte Straße nach Werder, betonte Frömling. Der Asphalt ist löcherig, bei Regen bilden sich tiefe Pfützen. Eile ist aber auch aus einem anderen Grund geboten: Der Zweckverband will im Ort Abwasserleitungen verlegen. „Es wäre unsinnig und teuer, die Straße zwei mal aufzumachen“, sagte auch Staatsekretär Ferlemann, der die Argumente nun beim Landes-Verkehrsministerium vorbringen will.
„Es wäre schön, wenn wir auch von anderen Ebenen Unterstützung bekommen würden“, sagte Saskia Ludwig, Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag. Nach Auffassung der Oppositionsführerin habe die Unzuverlässigkeit der Landesregierung zugenommen. Im kommenden Jahr würden 400 Millionen Euro weniger in Brandenburg investiert werden – „und ausbaden müssen es die Bürgermeister und Landräte“, so Ludwig. „Es ist wichtig, dass man hier die Verantwortlichen klar benennt“, sagte Katherina Reiche, CDU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium. Sie hatte gestern zu den Terminen eingeladen. Es sei nicht die Stadt Werder, die hier in Verzug gerate, sondern das Land, unterstrich auch Sigfried Frömling. Die Bürger würden das aber kaum wahrnehmen. „Ich bin froh, dass in den nächsten zwei Jahren keine Wahl ist“, so sein Fazit. Thomas Lähns