Die Potsdamer CDU-Abgeordnete Katherina Reiche ist parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Mit ihr sprach Ralf Schuler über den bevorstehenden Klimagipfel in Kopenhagen.
MAZ: Frau Reiche, wie ist der Stand bei den Vorverhandlungen für Kopenhagen?
Katherina Reiche: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Einerseits hat der Asean-Gipfel vor einer Woche gezeigt, wie schwierig die Verhandlungen über ein verbindliches Abkommen werden. Andererseits haben in den letzten Monaten wichtige Schwellenländer wie China und Brasilien erstmals klare Reduktionsziele genannt. Das stimmt hoffnungsvoll. Außerdem haben Industriestaaten wie Japan und Australien, aber auch die Europäische Union konkrete Minderungsangebote für Kohlendioxid auf den Tisch gelegt. Die Bundesregierung in Berlin hat sich ohne Vorbedingungen zu einer Reduzierung von 40 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 verpflichtet.
Reichen die jetzt vorliegenden Ansagen schon, um Kopenhagen zu einem Erfolg zu machen?
Reiche: In Kopenhagen muss eine Einigung in vier Punkten erreicht werden: über die Reduktionsziele, über die Architektur und Kontrollmechanismen und über die Finanzierung des weiteren Klimaschutzes. Bis zu einem rechtsverbindlichen Vertrag werden noch weitere Verhandlungen notwendig sein.
Kritiker fordern von der Bundesregierung, mit weiteren ehrgeizigen Reduktionszielen voranzugehen. Halten Sie das für richtig?
Reiche: Deutschland und Europa haben bislang schon sehr viel vorgelegt. Das erwarten wir auch von den USA. Es geht aber nicht nur um Reduktionsziele, sondern auch um weitere Instrumente, wie zum Beispiel den Technologietransfer, um Entwicklungsländern Knowhow anzubieten und an sie weiterzugeben.
Die öffentliche Aufmerksamkeit richtet sich bisher vor allem auf Kohlendioxid. Ist das angemessen?
Reiche: Diese Verengung des Blicks wäre in der Tat fatal. Wenn die globale Erwärmung fortschreitet und beispielsweise der Permafrostboden Sibiriens auftaut, würde in Größenordnungen Methan freigesetzt, dessen Klimaschädlichkeit bedeutend höher ist. Mindestens ebenso wichtig ist, die Abholzungspolitik in den tropischen Wäldern zu beenden, deshalb ist die Verpflichtung Brasiliens so wichtig, auf vierzig Prozent seiner Rodungen zu verzichten.
Lassen Sie uns noch einmal auf die USA blicken. Bis jetzt bietet Washington sieben Prozent weniger Kohlendioxid bis 2020 – reicht das?
Reiche: Amerika will in den nächsten Jahren eher weniger einsparen, dafür dann aber zwischen 2030 bis 2050 den Ausstoß um etwa 80 Prozent reduzieren. Wir sind der Ansicht, dass es besser ist, kontinuierlich an der Reduktion zu arbeiten, als es auf einen späteren Zeitpunkt zu vertagen. Vor allem ist es auch wichtig, möglichst rasch eine Umkehr zu schaffen, und da sind die USA sehr wichtig.
Wird Barack Obama nach Kopenhagen kommen?
Reiche: Präsident Barack Obama hat angekündigt, er würde nach Kopenhagen kommen, wenn es der Sache diene. Deshalb gehe ich davon aus, dass es in vielen Punkten noch deutliche Bewegung geben wird.
Was ist für Sie der Knackpunkt bei der internationalen Klimakonferenz?
Reiche: Entscheidend wird sein, dass die Regierungschefs klar die Absicht zu einem rechtsverbindlichen Abkommen zeigen. Die Details könnten dann im kommenden Jahr geklärt werden.