65 Jahre danach. Der Stalag-Freidhof in der Nähe des Luckenwalder Biotechnologieparks führte gestern Vormittag Vertreter von Nationen zusammen, die sich im Zweiten Weltkrieg noch als Feinde bekämpft hatten. Nun war das in den Ansprachen am häufigsten gebrauchte Wort das der Versöhnung. „Der Tag des Kriegsendes ist auch für Deutschland ein Tag der Befreiung“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Schockenhoff und bediente sich damit einer Formulierung des Alt-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Und weil es ein Tag der Befreiung sei, müsse man den Opfern Anerkennung zollen, sagte Schockenhoff vor den gut 80 Anwesenden.
Schockenhoff hatte in seiner Funktion als Koordinator für die deutsch-russische zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit zu der Gedenkstunde nach Luckenwalde eingeladen. Vertreter des Diplomatischen Chors aus der Hauptstadt waren dieser ebenso gefolgt wie hiesige Politiker wie die CDU-Staatssekretärin Katherina Reiche oder der SPD-Bundestagabgeordnete Peter Danckert sowie mehrere Landtagsabgeordnete verschiedener Parteien wie auch Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) und die Stadtverordnetenvorsitzende Heidemarie Migulla (Linke). „Es geht nicht um kollektives Heldentum, sondern um das Leiden des Einzelnen. Deshalb ist die Gedenkstätte in Luckenwalde ein besonders würdiger Ort“, sagte Schockenhoff, der das Engagement der Stadt beim Erhalt und Ausbau der Stalag-Friedhofs würdigte.
Wladimir Pyatin, Botschafsrat der Russischen Föderation in Berlin, nannte das gemeinsame Gedenken eine „Versöhnungsgeste über den Gräbern“. Das Kriegsende bedeute den Sieg über die Barbarei. „Heute sind alle dazu verpflichtet, sich an die Lehren des Krieges zu erinnern“, sagte Pyatin weiter. „Die Trauer, die wir empfinden, ist die Einsicht darin, wohin der Hass führen kann.“
Mykola Baltazhy, Gesandter der Botschaft der Ukraine, erinnerte an den Zweiten Weltkrieg als eines der größten Verbrechen der Menschheit. 65 Jahre später erscheine der Krieg zwar fast wie etwas Künstliches, doch sei es eine „heilige Pflicht, die Erinnerung an das Geschehen zu bewahren und die Opfer zu ehren“. Baltazhy sagte aber auch: „Keine Seite darf die Rolle des absolut Guten für sich beanspruchen.“ Aus dem Zweiten Weltkrieg müssten alle die bittere Lehre ziehen, dass sich Derartiges nie wiederholen darf.
Nach einer ersten Kranzniederlegung und den Ansprachen an der zentralen Gedenktafel des Stalag-Friedhofs gingen die Teilnehmer des Gedenkens zum sowjetischen Mahnmal. Schockenhoff hatte diese besondere Ehrung damit begründet, dass die damalige Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg eine ganz besondere Last zu tragen hatte. Dies zeigt sich auch im Luckenwalder Stalag. Dort wurden rund 5000 Opfer aus 17 Nationen begraben, rund 4000 dieser Toten waren Angehörige der Roten Armee.
Über die Geschichte des Luckenwalder Lagers hatten sich Schockenhoff und die Gäste des Diplomatischen Chors zuvor in der im Heimatmuseum angesiedelten Dokumentationsstelle infomiert. Museumsleiter Roman Schmidt führte die Gäste.