Thomas Reiter berichtete gestern Schülern der Ossietzky-Oberschule von seinen Ausflügen ins
Glaubt der deutsche Kosmonaut Thomas Reiter an Aliens? Bei seinen beiden Weltraummissionen habe er zwar keine Außerirdischen im Orbit gesehen. „Aber gesprochen haben wir in der Raumstation darüber schon. Wenn einer vorbeigeflogen wäre, hätten wir ihn zum Essen eingeladen und uns ausgetauscht.“ Reiter, der fast ein ganzes Jahr seines Lebens im All verbrachte, war gestern Gast der Carl-von-Ossietzky-Schule in Werder – und stellte sich den munteren Fragen der Schüler. Der prominente Besuch war von der Bundestagsabgeordneten Katherina Reiche (CDU) eingefädelt worden, „um das Interesse anzufeuern“, wie sie sagte. „Jemand, der über der Erde schwebte, kann besser als jeder irdische Lehrer sagen, wie es da oben zugeht.“ So war es dann tatsächlich.
Als er in der Nacht zum 4. Juli 2006 mit dem Spaceshuttle zur Raumstation ISS aufbrach, habe Deutschland im Fußball-WM-Halbfinale gegen Italien gestanden, berichtete Reiter. Während Deutschland das Finale verpasste, stieg Reiter in die Umlaufbahn. Er erzählte über die dicht mit Arbeit gefüllten Tage, über seinen nicht ganz ungefährlichen „Außenbordeinsatz“ im Raumanzug, über den Anblick eines Alpengewitters und die Schwierigkeiten, in der Schwerelosigkeit einen Schraubenzieher zu drehen. „Man dreht sich erstmal selbst.“ Experimente zum Schmelz- und Verdunstungsverhalten von Stoffen waren zu begleiten, zum Pflanzenwachstum „mit und gegen die Schwerkraft“ oder zum Gleichgewichtssystem des menschlichen Körpers.
Es war kein Zufall, dass Thomas Reiter gestern ausgerechnet die Werderaner Ossietzky-Oberschule besuchte: Sie ist Partnerschule des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und seit zehn Jahren die einzige Oberschule im Land Brandenburg, die Astronomie als Pflichtfach anbietet. Dass der Nachwuchs, wie nach den ersten Weltraum- und Mondflügen, Kosmonaut werden will, ist hier immer noch ein Thema. So stieß der 52-Jährige Kosmonaut a.D., der heute dem DLR vorsteht, mit seinem Bericht über seinen ISS-Aufenthalt im Jahr 2006, auf offene Ohren. Dass er für seinen ersten Weltraumflug 1995 zur Raumstation Mir auch russisch lernte, ließ hier aufhorchen.
Die Schüler kamen nicht unvorbereitet: Die Astronomielehrerinnen Astrid Hubatsch und Gabi Ulbrich erzählten, wie sich die Unterrichtsinhalte in den vergangenen Jahren entwickelt haben – von der Mondbeobachtung auf der Friedrichshöhe über den Eigenbau von Spektroskopen bis hin zu Besuchen von Sternwarten und Planetarien sowie Raketenexperimenten. Inzwischen haben die Schüler mit einem Höhenmessgerät sogar rausbekommen, dass ihre Wasserraketen 50 Meter hoch fliegen. Ein großer Traum: Einmal mit dem neuen „fliegenden Teleskop“ von Nasa und DLR mitzufliegen, dem sogenannten „Sofia“. In der Schule gibt es ein Modell der umgebauten Boeing 747, die in diesem Jahr ihre ersten Beobachtungsflüge absolviert.
Reiter zeigte sich beeindruckt von der Aufzählung und beantwortete dann auch geduldig die Fragen der 50 Schüler, die gestern Nachmittag – teils mit Fotoapparaten ausgestattet – alle freiwillig zu der Veranstaltung gekommen waren. Haben Sie sich oft den Kopf gestoßen? Haben Sie Angst gehabt? Würden Sie wieder in den Weltraum fliegen? Und wie schläft man denn eigentlich da oben? Der Schlafsack sei an der Wand festgemacht, und weil nichts knittert und nichts drückt, sei der Körper völlig entspannt, antwortete Reiter. „Man schläft wie ein Embryo, super. Ich habe sogar etwas weniger Schlaf gebraucht, fünf bis sechs Stunden.“
Auch die Frage nach den Aliens wurde zur Überraschung einiger Schüler noch beantwortet: „Ich kann mir schon aus statistischen Gründen nicht vorstellen, dass es in diesem riesigen Universum nur auf der Erde intelligentes Leben geben soll.“ Der Beweis für ihre Intelligenz, so Reiter ironisch, sei doch, dass die Aliens noch nicht mit uns in Verbindung getreten sind.