Eine ernsthafte Alternative hält er für ausgeschlossen: „Nachhaltige Entwicklung ist der neue Begriff von Frieden“, sagte Klaus Töpfer am Montagabend bei einem Vortrag, den er auf Einladung der CDU-Kreisvorsitzenden Katherina Reiche in den Räumen des GeoForschungsZentrums (GFZ) auf dem Telegrafenberg hielt. Wenn es nicht gelinge, das Recht auf wirtschaftliche Entwicklung in allen Teilen der Welt mit wirksamem Klimaschutz zusammenzubringen, „haben wir eine sehr sehr unfriedliche Welt vor uns“, warnte der CDU-Politiker, frühere Bundesumweltminister und langjährige Leiter des Umweltprogramms der Vereinigten Nationen mit Sitz in Nairobi. Konflikte zwischen den immer bevölkerungsärmeren westlichen Ländern und den armen Ländern mit immer mehr Einwohnern seien auch mit „Sicherheitssystemen“ an den Grenzen langfristig nicht anders zu verhindern: „Es liegt in unserem eigenen Interesse, dort Entwicklung zu ermöglichen.“ Wie das konkret aussehen kann, damit beschäftigt sich Töpfer auch als Direktor des 2009 in Potsdam gegründeten Institutes für Klima, Erdsystem und Nachhaltigkeit (Institute for Advanced Sustainability Studies, IASS).
Zentrales Thema sei die sichere, bezahlbare und klimaverträgliche Energieversorgung, so der studierte Ökonom. Die umstrittene Kohlendioxid-Lagerung im Boden (CCS), die Brandenburg entwickeln will, um Braunkohle weiter nutzen zu können, hält er für wenig sinnvoll: „Solange wir Kohlendioxid als Abfall behandeln, ist es nicht nachhaltig.“ Töpfer plädierte stattdessen für die Nutzung von Kohlendioxid als Rohstoff. Ansätze dafür, etwa die Nutzung als Düngemittel für Algen, gebe es bereits. „Wir müssen von der Wegwerf- zur Kreislaufgesellschaft kommen.“
Langfristig werde die wachsende Weltbevölkerung allein mit fossilen Energieträgern trotzdem nicht zu versorgen sein. Töpfer verwies angesichts der aktuellen Ölkatastrophe im Golf von Mexiko auch auf die Umweltrisiken mit enormen Folgekosten, die die vermeintlich „billigen“ Rohstoffe mit sich bringen. Deshalb müssten erneuerbare Energien wie Windkraft oder Solarenergie gestärkt werden.
Dabei machte Töpfer zwei Hauptaufgaben aus: Einerseits müssen Speichermöglichkeiten für Strom entwickelt werden, andererseits ein dezentrales, „intelligentes“, Stromnetz aufgebaut werden. Mit dem derzeitigen, auf zentrale Kraftwerke ausgelegten Netz sei es 2009 an zwei Tagen zu der paradoxen Situation gekommen, das der Strom an der Energiebörse in Leipzig einen negativen Preis hatte - die Stromabnehmer bekamen Geld dazu.
Als beispielhafte Klimaschutz-Maßnahme nannte Töpfer eine Idee der Tories in Großbritannien: Die konservative Partei will Energie-Effizienz-Verträge mit privaten Haushalten einführen. Für energiesparende Umrüstungsmaßnahmen werde ein Darlehen von 6500 britischen Pfund (knapp 7800 Euro) pro Haushalt gewährt - zurückgezahlt wird das Geld aus eingesparten Energiekosten. „Ein tolles Konjunkturprogramm, das auch die Handwerker vor Ort erreicht“, so Töpfer. Ökologie sei auch wirtschaftlich vernünftig, betonte er. Nur mit dieser Argumentation werde man auch Schwellen und Entwicklungsländer für den Klimaschutz gewinnen.
Prof. Dr. Klaus Töpfer, Katherina Reiche MdB und Steeven Bretz MdL