Die Bundesregierung geht in der Rohstoffpolitik neue Wege. Wirtschaftsministerium, Entwicklungsministerium und Auswärtiges Amt wollen künftig gemeinsam über „Rohstoffpartnerschaften“ mit Entwicklungsländern die reibungslose Versorgung mit Metallen und Mineralien sicherstellen.
Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Katherina Reiche, über die Rohstoffpolitik der Bundesregierung.
Handelsblatt: Hat die Bundesregierung in der Rohstoffpolitik die Zeichen der Zeit nicht erkannt?
Reiche: Zu lange haben wir uns auf die Energierohstoffe Öl und Gas als Schlüsselthema und als politische Querschnittsaufgabe konzentriert. Andere Rohstoffe standen zu sehr im Hintergrund. Angesichts des weltweiten Wettlaufs um Ressourcen ist glasklar, dass ein umfassender Ansatz und eine strategische Rohstoffpolitik unverzichtbar sind.
HB: Welche Instrumente kann die Bundesregierung einsetzen?
Reiche: Wir brauchen eine Deutsche Rohstoff-Agentur. Die Kompetenz der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist unbestritten, sie sollte deshalb auch im Zusammenspiel mit der Rohstoff-Agentur eine wichtige Rolle spielen. Wir brauchen aber einen politisch-strategischen Ansatz.
HB: Was heißt das konkret?
Reiche: Es geht darum, politische Prozesse aus der Perspektive der Rohstoffpolitik zu bewerten und Unternehmen konkrete Hilfestellungen zu geben. Die Agentur könnte helfen, deutsches Know-How in die Erzeugerländer zu bringen. Dabei können die Außenhandelskammern eine wichtige Rolle spielen. Die Kompetenzen der verschiedenen Ressorts – Umwelt, Wirtschaft, Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Auswärtiges Amt – müssen genutzt werden. Das kann eine nachgeordnete Behörde eines einzelnen Ressorts allein nicht leiste.