Für Potsdams Schüler war gestern der Tag der Wahrheit: es gab die Endjahreszeugnisse. Aus diesem Anlass überlegten sich acht Mitglieder der Jungen Union (JU) Potsdam, darunter Kreisvorsitzender Tino Fischer (21), dass sie auch gern einmal Lehrer sein wollten und Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) für seine Amtszeit von 2002 bis 2010 Noten erteilen. Nicht jedoch in den Schulfächern wie Deutsch, Mathematik und Biologie, sondern in 14 selbst erdachten Kriterien.
Selbst entgegennehmen konnte Jakobs sein Zeugnis jedoch nicht, „man sagte uns, er habe einen Termin“, erzählt Fischer. Stattdessen bekam Wolfgang Hadlich, Leiter des Oberbürgermeisterbüros, das extra groß gedruckte Zeugnis der JU überreicht. Hadlich zeigte sich verwundert über die schlechten Noten für Jakobs, die, wenn es nach der JU ginge, nicht zur Versetzung in die nächste Amtszeit führen würden. „Die Zahlen sprechen jedoch für sich“, kommentierte Hadlich das Zeugnis, versprach aber dennoch, sich im nächsten Monat weiter damit auseinanderzusetzen.
Die einzige Eins auf Jakobs Zeugnis ist für die Kamerapräsenz zu finden. Danach folgt drei Mal die Note Drei in den Fächern Geselligkeit, Fleiß und Sprachgewandtheit. Fünf Mal die Note Fünf und somit „mangelhaft“ sind aus Sicht der JU Jakobs Fähigkeiten in den Fächern Führungsstärke, Einsatzfreude, Umwelt- und Sozialpolitik und Bürgerverbundenheit.
Die Note Sechs erteilten die JU- Jugendlichen für Jakobs Verkehrs- und Sozialpolitik, bei Durchsetzungsvermögen, Streitschlichtung und Verwaltungsführung. Auch Hans- Jürgen Scharfenberg würde in den Augen von Tino Fischer nicht besser als Jakobs abschneiden. Fischer hofft, dass die JU im nächsten Jahr CDU-Oberbürgermeisterkandidatin Barbara Richstein ein Zeugnis mit durchgehender „sehr gut“-Bewertung überreichen zu können. Die JU will künftig in jedem Amtsjahr dem regierenden Oberbürgermeister ein Zeugnis geben.